Geschichte

Armenien ist ein kleiner und junger Staat im südlichen Kaukasus.  Er hat ungefähr die Größe von Belgien, aber nur knapp drei Millionen Einwohner.  Die Landschaft ist durchwegs gebirgig; der höchste Gipfel ist der erloschene Vulkan Aragaz mit 4090m unweit des Ararat.

Schon in persischer Zeit im Jahr 521 vor Christus wurde der Name Armenien erstmals auf einer Inschrift erwähnt. Im Jahr 301 nach Christus - und damit als erster Staat der Welt - hat Armenien durch König Trdat III das Christentum als Staatsreligion anerkannt.  Im Osmanischen Reich kam es zu vielfacher Verfolgung und ab dem Jahr 1915 zum ersten Völkermord des 20. Jahrhunderts, dem nach Schätzungen bis zu 1,5 Mio. Armenier zum Opfer fielen. Dieses Trauma ist  in der armenischen Bevölkerung bis heute spürbar. 

Während der Zeit der Sowjetunion war Armenien eine sozialistische Teilrepublik und wurde nach dem Zerfall der UdSSR 1991 unabhängig.  Seine heutigen Nachbarn sind die Türkei im Westen, Georgien im Norden, Aserbaidschan im Osten und der Iran im Süden. 

 

Lebensumstände

Die Armut ist in Armenien allgegenwärtig und sehr bedrückend. Die Bedingungen für eine wirtschaftliche Entwicklung sind schwierig. Seit der Auflösung der Sowjetunion ist Armenien von Rohstoffen und Handelsbeziehungen ausgeschlossen, aufgrund ethnopolitischer Konflikte haben die Türkei und Aserbaidschan die Grenzen geschlossen. Es gibt kaum landwirtschaftlich nutzbare Flächen. Die Versorgung mit funktionierender Infrastruktur wie Wasser, Strom, Heizung, aber auch mit Krankenhäusern, Schulen und Straßen  ist nur in wenigen Gebieten gegeben. Eine Krankenversicherung haben nur Kinder bis zum 7. Lebensjahr. Die medizinische Versorgung ist dementsprechend kostspielig, nur die wenigsten Menschen können sich notwendige Untersuchungen oder Operationen leisten. 

Aufgrund der schlechten Wirtschaftslage gibt es kaum Arbeitsplätze. Die Menschen sehen für sich keine beruflichen und sozialen Perspektiven. Hoffnungslosigkeit und Resignation sind für viele Menschen die seelische Grundstimmung,  in der sie leben.

Besonders traurig sind die Umstände im Norden des Landes. Dort liegt die Region Shirak mit der Hauptstadt Gyumri. Durch ein Erdbeben am 7.12.1988 wurde diese Region fast dem Boden gleich gemacht. Nach offiziellen Angaben starben über 24.000 Menschen, aber eine genaue Zahl ist bis heute nicht bekannt. Die Zerstörung fast aller öffentlichen Gebäude und Wohnhäuser hat bis heute katastrophale Folgen. Immer noch leben unzählige Menschen in nicht heizbaren Blechcontainern ohne Wasser, Strom und Heizung.

 

Wieso ist nach so vielen Jahren die Situation unverändert?

Zwar begann der Wiederaufbau schon vier Wochen nach dem Erdbeben, doch dann standen die Baustellen still. Es gab bürokratische Probleme,  Planungsunterlagen waren unvollständig, Nachschub am Baumaterial blieb aus. 1991 brach die Sowjetunion auseinander, Armenien, das vorher Teilrepublik der UdSSR gewesen war, mußte nun sein eigenes Staatswesen aufbauen. Dazu kamen die Auseinandersetzungen mit Aserbaidschan, die sich immer mehr verschärften und im Jahre 1992 zum Krieg um Berg Karabakh führten, der bis heute andauert, obwohl seit 1994 formal ein Waffenstillstand unterzeichnet worden ist.

Bis heute existiert in Armenien kein soziales Unterstützungssystem für die eigene Bevölkerung.  Die Arbeitslosigkeit ist enorm, eine finanzielle Mindestsicherung gibt es nicht.  Die Pensionen für ältere Menschen sind viel zu niedrig, um davon einigermaßen menschenwürdig leben zu können. Medizinische Versorgung ist wegen fehlender staatlicher Krankenversicherung für sehr viele Familien nicht leistbar. Wie in allen armen Ländern trägt die Korruption auch ihren Teil zu dieser Problematik bei. 

Wer die Möglichkeit hatte, ist aus Armenien ausgewandert. Geblieben ist die ältere Generation und die ganz arme Bevölkerung. Am meisten mangelt es an Arbeitsplätzen, da nach dem Erdbeben die Infrastruktur, besonders auch die Fabriken, in Gyumri zerstört waren. 

Das 1992 mit Spenden aus Österreich errichtete Österreichische Kinderspital (ÖKS) ist eine der wenigen Einrichtungen, in denen vor allem die kleinen Patienten medizinisch betreut werden können. Dieses Spital - so schwierig seine finanzielle Situation bis heute ist - ist ein Hoffnungsort für die Menschen in Gyumri. An diesem Spital, das seit 1992 mit österreichischer Hilfe geführt wird, und an einigen kleinen Projekten, die in seinem Umfeld angesiedelt sind, wollen wir mit unserem Verein anknüpfen und  damit ein kleines Stück Hoffnung und ein Lächeln bringen, das Mut machen soll, unter schwierigsten Bedingungen nicht aufzugeben.